Atlassians End of Support für Connect ist terminiert, und der Zeitplan läuft. Seit Ende März 2026 können Connect-Apps ihre Descriptoren nicht mehr aktualisieren. Neue Features, Berechtigungen oder Module sind damit faktisch eingefroren. Spätestens im vierten Quartal 2026 endet der reguläre Support vollständig. Was das für Kunden bedeutet, haben wir bereits im März beleuchtet. Dieser Artikel geht einen Schritt weiter und wirft zwei wichtige Fragen auf: Welche Connect-Apps haben Sie noch im Einsatz – und was sollten Sie mit ihnen tun?
Nicht alle Connect-Apps sind gleich
Es ist sinnvoll, das App-Inventar in drei Kategorien zu unterteilen:
Apps, für die bereits eine Forge-Version existiert: Der Anbieter hat die Lösung bereits migriert oder ist gerade dabei. Zurzeit befinden sich etliche Apps in einem „Migrations-Zwischenzustand“. Dank Ansätzen wie Connect on Forge müssen Anbieter ihre gesamte Serverinfrastruktur nicht von heute auf morgen aufgeben und können ihre bestehende Backend-Logik sicher in das neue Forge-Framework einbetten. Der erforderliche Handlungsbedarf seitens Ihres Teams ist überschaubar: Prüfen Sie, ob die Migration abgeschlossen ist; falls nicht, fragen Sie beim Hersteller nach einem Zeitplan.
Apps, die nicht mehr aktiv weiterentwickelt werden: Für diese Lösungen ist kein Forge-Nachfolger in Sicht, es gibt keine Kommunikation des Anbieters. Solche Apps bilden mittelfristig das größte Risiko. Momentan funktionieren sie noch, aber es werden keine Sicherheitsupdates mehr ausgeliefert, und es steht in den Sternen, ob sie nach künftigen Änderungen auf Atlassian-Seite noch kompatibel sein werden.
Intern entwickelte Connect-Apps: Dies ist in App-Audits häufig ein blinder Fleck. Viele Organisationen haben im Laufe der Jahre eigene Connect-Apps entwickelt, die nie für den Marketplace vorgesehen waren und die daher außerhalb des üblichen Anbieter-Kommunikationsprozesses liegen. Seit März 2026 erlaubt Atlassian für diese privaten Apps keine Descriptor-Updates mehr. Das bedeutet, dass keine neuen Features oder Berechtigungsänderungen mehr eingespielt werden können. Und da es keinen externen Anbieter gibt, der die Hauptlast trägt, fällt die Migrationsverantwortung vollständig auf die internen Teams. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.
Was “End of Support” in der Praxis bedeutet
Es ist ein verbreitetes Missverständnis, dass Connect-Apps einfach abgeschaltet werden. Nein, sie hören nicht über Nacht auf zu funktionieren. Stattdessen verläuft der Prozess graduell – und das macht ihn tückisch.
Atlassian hat sich vorbehalten, ausschließlich kritische Sicherheitslücken zu patchen. Neue App-Versionen können nicht mehr über den Marketplace ausgeliefert werden. Grundlegende Backend-Fixes bleiben zwar technisch möglich, da der Connect-Code auf den eigenen Servern des Anbieters läuft, aber jede nennenswerte Weiterentwicklung ist faktisch blockiert. Und während Atlassian seine eigene Cloud-Infrastruktur kontinuierlich weiterentwickelt, gibt es keinerlei Garantie, dass bestehende Connect-Apps mit ihr kompatibel bleiben.
Darüber hinaus steht ein Compliance-Problem im Raum: Connect-Apps laufen nicht in der Atlassian-Infrastruktur, sondern auf den Servern des Anbieters. Das war schon immer ein Unterschied zu Forge, aber nach dem EOS wird dieser Fakt zusätzlich relevant – speziell dann, wenn der Anbieter keine aktive Wartung mehr leistet.
Das App-Inventar analysieren
Bevor Sie handeln können, brauchen Sie Klarheit darüber, welche Art Lösungen tatsächlich im Einsatz sind. Hier sind zwei praktische Ansätze:
Auf forge-apps.com erkennen Sie auf einen Blick, ob eine Marketplace-App auf Connect oder Forge läuft oder sich im Migrationsprozess befindet. Das ist der schnellste Weg zu einer ersten Übersicht über die bekannten Marketplace-Apps.
Für intern entwickelte und sonstige installierte Apps empfiehlt sich ein Blick in die Jira- oder Confluence-Administration: Unter Manage Apps sind alle installierten Erweiterungen aufgelistet. Ein besonderes Augenmerk sollten Sie auf Plattform-Hinweise oder Warnbanner zum Connect-EOS-Zeitplan legen, die Atlassian für betroffene Apps einblendet. Bei Apps ohne das Badge “Runs on Atlassian” und ohne Forge-Kennzeichnung besteht Handlungsbedarf.
Handlungsoptionen je nach Situation
Den Anbieter zur Fertigstellung der Forge-Migration drängen: Bei aktiv gepflegten Apps ist der direkte Weg oft der beste. Viele Anbieter kommunizieren ihre Migrationszeitpläne proaktiv. Ist das nicht der Fall, sollten Sie das Entwicklungsteam direkt ansprechen. Bleibt eine Antwort aus, obwohl Sie auf die App angewiesen sind, ist das ein deutliches Signal.
Alternative Apps evaluieren: Wenn ein Anbieter nicht migriert oder die Entwicklung eingestellt hat, ist jetzt der richtige Zeitpunkt für die Suche nach Alternativen. Wenn Sie noch zögern, werden Sie mit dem fortschreitenden Jahr immer stärker unter Druck geraten. Der Marketplace bietet in vielen Kategorien mittlerweile Forge-native Optionen.
Nicht mehr genutzte Apps dekommissionieren: App-Audits fördern regelmäßig Tools zutage, die die internen Teams nicht mehr aktiv verwenden. Das ist eine gute Gelegenheit, um das Inventar zu bereinigen und unnötige Sicherheitsrisiken auszumerzen.
Interne Connect-Apps migrieren: Bei selbst entwickelten Apps führt kein Weg an der Umstellung vorbei. Eine Forge-Migration – ob intern oder gemeinsam mit einem Partner – braucht Zeit. Planung, Entwicklung und Testing sollten nicht auf den letzten Drücker stattfinden.
Die App mit dokumentierten Risiken weiter betreiben: In manchen Fällen ist ein Wechsel kurzfristig nicht möglich: Die App muss wohl oder übel vorerst weiterlaufen. Das ist kein Beinbruch, sollte aber eine bewusste Entscheidung sein – mit formal dokumentierten Risiken und einem konkreten Termin, bis zu dem eine Lösung gefunden sein muss.
Fazit
Der Connect-EOS ist kein einmaliges Ereignis, das eintritt und dann erledigt ist. Betrachten Sie ihn als Ausgangspunkt für eine fortlaufende App-Governance-Frage: Welche Apps laufen in Ihrer Instanz, auf Basis welcher Plattform, wer wartet sie – und was tun Sie, wenn sich das ändert?
Teams, die jetzt eine strukturierte Inventarisierung vornehmen, sind besser aufgestellt als jene, die das Vorhaben aufschieben, bis Atlassian im vierten Quartal 2026 den nächsten Schritt einleitet.
Analysiert Ihr Team gerade die Connect-App-Situation oder plant eine Forge-Migration? Unsere erfahrenen Atlassian-Entwicklungsteams unterstützen Sie bei Architektur, Entwicklung und Zertifizierung. Melden Sie sich per E-Mail oder vereinbaren Sie direkt einen Remote-Termin mit uns!

